Bolte & Anschütz, Mod. No. 99

Bolte & Anschütz, Bolte und Anschütz, Bolte, Anschütz, Modell No. 99, No. 99, 12 mm Scheintod, 12 mm

       Bild 1.0, ein Kaliber, zwei Patronen

 

Allgemein

Die Firma Bolte & Anschütz (BUA, später B&A) wurde im Jahr 1868 in Zella-Mehlis in Thüringen gegründet, Sie warb mit der Fabrikation von Scheibenpistolen, Revolvern, BUA-Karabinern und BUA-Schreckschuss-Pistolen. Es wurden aber nicht nur Waffen sondern auch Einsteckläufe und Werkzeuge hergestellt. Der Standort Belgien wurde wohl irgendwann interessant und ein Umzug erfolgte auch. Wie Viele verschiedene Gaspistolen oder auch –revolver Modelle gefertigt wurden ist unbekannt, es gab aber noch eine weitere Gas-oder Schreckschusspistole, die als Modell No. 88 vorgestellt wurde.

 

Die Gas-Pistole weist auf der linken Seite den Hersteller, BUA und das Modell No. 99 auf. Darunter sieht man die Buchstaben D.R.G.M., was für Deutsches Reich Gebrauchsmuster steht.

 

Katalog WUM

Das Modell No. 99 von Bolte & Anschütz kam augenscheinlich in den 1930er Jahren auf den Markt. In verschiedenen Jahrgängen der Kataloge von Stukenbrok, die doch sehr sortiert sind, wurde diese Pistole bis einschließlich 1931 nicht aufgeführt. Erst im Katalog WUM, der augenscheinlich aus Mitte der 1930er Jahre stammt, wurden diese Pistole sowie auch eine Scheintod-Pistole von Burgsmüller/Niemeyer aufgeführt. Das Besondere daran, sie ähneln sich äußerlich und die Funktion ist wohl eher identisch, zumindest der Ladevorgang und die Abzugsweise. Weitere Kataloge mit diesen Pistolen als Inhalt sind mir derzeit nicht bekannt.

 

BUA, No. 99

Diese Pistole wurde aus Stahl gefertigt und brüniert. Die beidseitigen Griffschalen bestehen aus Holz. Der Abzug und der Lauf bestehen aus verchromtem Stahl, eine Sperre ist im Lauf nicht vorhanden. Als bewegliche Teile ist lediglich der Abzug mit seiner innenliegenden Mechanik als „Nur Abzugsspanner“, ein sogenanntes Double Action Only-System (DAO) vorhanden. Geladen wird dieses Modell indem man zuerst den Lauf an der gerändelten Mündung fasst und entsprechend die sichtbare Verschlusswarze aus ihrer obigen Position der Zwangsführung des Bajonett-Verschlusses dreht und herauszieht. Sodann kann eine Patrone in das Patronenlager geschoben werden, was diese Pistole als Einzellader ausweist, da auch kein Magazin vorhanden ist. Anschließend steckt man den Lauf wieder in die Pistole und verriegelt den Bajonett-Verschluss durch entsprechendes drehen, hier so, dass die Verschlusswarze wieder nach oben zeigt und augenscheinlich als Korn dienen könnte, das aber wohl eher ein optisches Zeichen dafür sein soll, dass die Pistole ordentlich verschlossen ist. Eine Sicherung ist nicht vorhanden, so dass die Pistole grundsätzlich im geladenen Zustand Schussbereit ist.

 

Bild 1.11, Bajonett-Verschluss zur Laufmündung                                                                                           Bild 1.12, Oberteil beschriftet 

 

 

Bild 1.13, entnommener Lauf                                                                                                                             Bild 1.14, Auszug aus dem Katalog WUM

 

Klein und fein

Diese Pistole hat eine Länge von 10,5 cm und eine Höhe von 7,5 cm, die Breite beträgt 1,8 cm.

 

Zurück zur Wurzel?

Hier habe ich einen weiteren Auszug aus dem WUM-Katalog. Gezeigt wird hier eine einschüssige Pistole von der Fa. Burgsmüller. Die Ähnlichkeit zum Modell No. 99 ist doch nicht zu übersehen.

Bild 1.15, Scheintod-Pistole von Burgsmüller

 

Bemerkung

Es ist wohl davon auszugehen, dass die Firma Bolte & Anschütz diese Pistole konstruiert und gebaut hat. Und eine entsprechende Pistole für die Fa. Nico, die mit Burgsmüller ihre Scheintodwaffen vertrieben hat, ebenfalls gebaut hat.

 

Das Prinzip des Bajonett-Verschlusses ist ja doch schon älter und wurde in ähnlicher Bauweise bei scharfen Waffen verwendet, hier nenne ich die Walther, Mod. 2 und Mod. 5, um diese Pistolen zu zerlegen. Das Prinzip wurde aber auch schon bei der Scheintod-Pistole Nr. 1 verwendet.