"Entlarvt"-Pistole, .380 Knall

      Bild 1

Kurze Beschreibung

 

Bei dieser Pistole handelt es sich um eine einschüssige Kipplaufpistole die für Patronen im Kaliber .380 Knall, bzw. 9 mm Zentralfeuer Rand eingerichtet ist. Sie ist ca. 14,5 cm lang und besitzt einen separaten Schlagbolzen, sowie einen SA-Abzug, was bedeutet, dass es sich um einen Hahnspanner handelt. Erwähnt wurde sie im Stukenbrok-Katalog von 1915 und weiteren Ausgaben, was sie nunmehr in ein Alter von über 100 Jahren ausweißt!

 

 

Der Hersteller und das Modell

 

Der Hersteller ist mir unbekannt. Bei dem Modell handelt es sich, laut Angabe im Stukenbrok Katalog von 1915, um die "Entlarvt"-Pistole.

 

 

Katalog Stukenbrok von 1926

 

Hier ist eine Abbildung aus diesem Katalog. Er ist ein gutes Nachschlagewerk, den man zumindest zur ersten Identifizierung heranziehen kann.

      Bild 2, Angebot aus dem Stukenbrok von 1926

 

 

 

Die Werbung

 

Wenn man sich das Werbebild 3 anschaut und die beigelegten Patronen, „Entlarvt“-Blitzlichtpatronen aus Bild 2, wird wohl suggeriert, dass die Nacht für einen kurzen Moment zum Tag wird und jeden Ganoven aus seiner Anonymität zieht, zugleich blendet und ihn damit von seinem Vorhaben abbringt oder zumindest dieser Moment genutzt werden kann um sich selbst aus dem Gefahrenbereich zu entfernen.

       Bild 3, Werbebild aus dem Stukenbrok von 1926

Die Griffschalen

 

Die Holz-Griffschalen sind mit einer durchgehenden Schraube mit einer Rändelmutter verbunden, die in die rechte Griffschale eingelassen ist.

 

 

Die Beschriftung

 

Die Pistole weißt auf der rechten Seite das kaiserliche Beschusszeichen, ein 'U' unter der Krone auf. Darüber befindet sich eine weitere Krone. Ebenfalls auf der rechten Seite, am Abzug, befindet sich die Seriennummer '29', die auch unter der rechten Griffschale zu finden ist.

 

Bilder 4 und 5, die Pistole ist entspannt und geschlossen (verriegelt)

Bild 4, hier ist der Splint zu sehen, der den Verschlussbolzen hält.                      Bild 5, hier sieht man den Haltering am Verschlussbolzen.

Der Verschluss

 

Zum Sichern des Kipplaufes wird hier ein Verschlussbolzen verwendet, an dem sich ein beweglicher Ring befindet. Am anderen Ende des Verschlussbolzen ist achsial eine Bohrung vorhanden durch die ein Splint geschoben wird.

 

 

Das Laden (öffnen / schließen)

 

Man zieht den Splint aus dem Verschlussbolzen und diesen aus der Pistole, anschließend öffnet man die Pistole in dem man den Lauf nach unten kippt.

 

 

Das Einlegen der Patronen

 

Das ist einfach, man schiebt eine Patrone in das Patronenlager.

 

 

Das Verschließen

 

Im Rahmen und im Laufblock befinden sich Bohrungen die im geschlossenen Zustand übereinstimmen. Hier wird der Verschlussbolzen durch den Rahmen und Laufblock geschoben und mittels eines Splints, der sodann durch die Bohrung im Bolzen geschoben wird, gegen herausfallen gesichert.

 

 

Das Schießen

 

Nachdem eine Patrone eingelegt ist und die Waffe verschlossen wurde, wird der Hahn gespannt und durch betätigen des Abzuges abgeschlagen.

 

 

Das Entladen / Auswerfen

 

Die Pistole wird geöffnet und die Patrone entnommen. Das gestaltet sich allerdings schwierig, am besten man nimmt ein passendes Stück Holz als Ausstoßer zur Hilfe, bei abgeschossenen Patronen ist dies öfters der Fall, da es Hülsenklemmer geben kann. Da der Lauf frei ist, können die Hülsen leicht ausgestoßen werden.

 

 

Die Munition

 

Zur Verwendung der Munition im Kaliber .380 / 9mm Zentralfeuer Rand, kommen Knall-, Gas-, Raketen- und Blitzlichtpatronen in Frage.

 

 

 

Bilder 6 und 7, die Pistole  im geöffneten (unverriegelten) und entspanntem Zustand.

 

 

Bild 6 , der gefederte Schlagbolzen ist im entspannten Zustand                      Bild 7, hier sind der Verschlussbolzen und der Splint gut zu sehen.

           nach vorne zu erkennen.

Bild 8, das Beschusszeichen, U unter der Krone.                                              Bild 9

Bilder 8 und 9, Auch der gefederte Schlagbolzen ist im gespannten Zustand nach hinten zu erkennen.

 

 

Die Schraube

 

Oberhalb des Griffstückes, hinter dem Hahn, ist eine Schraube zu sehen. Welche Funktion besitzt sie? Sie ist dazu da die Schlagfeder zu manipulieren und wirkt direkt auf sie ein, indem sie eingedreht die Spannung der Schlagfeder auf den Hahn nimmt.

 

 

 

Bilder 10 bis 12, hier sind die Griffschalen abgeschraubt um mehr erkennen zu können.

 

 

Bild 10, hier erkennt man die Schraube die direkt auf die Hahnfeder wirkt.     Bild 11, zu sehen ist die eingelassene Rändelmutter

             Im Griffstück ist die Seriennummer eingeschlagen.                                         in der rechten Griffschale.

Bild 12, Die linke Seite ist nicht markiert.                                                          Bild 13, Hier ist der freie, glatte Lauf von hinten zu sehen,

                                                                                                                                        das Patronenlager ist zu erkennen.

 

 

Der Lauf

 

Der Lauf besitzt keine Sperre, früher war es eher üblich den Lauf nicht zu sperren. Heute undenkbar, mit der Ausnahme, um einige zu nennen, Röhm RG 3, 3s, RG 300, RG 600. Es gibt aber noch weitere Hersteller. Siehe Bild 13

 

 

Das Zubehör

 

Leider habe ich kein Zubehör. In den alten Katalogen wird aber eine Schachtel und eine Beschreibung benannt.