Walther, Modell 9 / Reck, Modell P6

Walther, Modell 9, Reck, Modell P6, Kaliber 6,35 mm Browning, Kaliber 8 mm K, Pistolen, Geco

       Bild 1.0, klein und kleiner

  

Das Vorbild

Verschieden wird gesagt, dass es sich bei dem Modell 9 um ein verbessertes Modell 1 handelt. Dem kann man nicht viel absprechen, gibt es doch einige Gemeinsamkeiten. Zu erwähnen sei, dass es dieses Modell in zwei Ausführungen gab, die sich aber nur durch die aufgebrachten Schriftzüge auf dem Verschluss und den Griffschalenbefestigungen durch den Zusatz a und b unterscheiden.

 

Der Kundenkreis

Der Kundenkreis war wohl eher klein, genauso wie diese Pistole, da hier doch kleine Hände von Vorteil waren, aber wohl auch die Proportionen dieser kleinen Pistole von großen Händen geschätzt wurden. Diese Pistole fand daher in einigen Hosentaschen oder Westentaschen ihren Platz. Die Damenwelt hat wohl solche Kleinigkeiten gemocht und daher verschwanden wohl auch nicht wenige in Damenhandtaschen. Ob die Fa. Walther hiermit das Modell 1906 von FN noch überbieten wollte, oder besser gesagt in der Größe unterbieten, ist heute nicht mehr in Erfahrung zu bringen.

 

Walther Modell 9b

Im Jahr 1921 kam das Modell 9 als letzte Pistole mit einer Zahl als Modellbezeichnung auf den Markt. Es handelt sich hierbei um eine kleine Taschenpistole die sogar kleiner und schmaler als der Ahne FN, Modell 1906 war. Hergestellt wurde dieses Modell im Kaliber 6,35 mm Browning und das kleine Magazin fasst ganze sechs Patronen.

 

Bild 1.1, Modell 9b, Kal. 6,35 mm Browning                                                                                                Bild 1.2, gesicherter Zustand

Bild 1.3, Blick zur Mündung                                                                                                                           Bild 1.4, ungesicherter Zustand, gespannt, Signalstift sichtbar

 

Der Signalstift

Bei dem Vorbild wurde ein Signalstift in den Schlagbolzen eingelötet, der im gespannten Zustand nach hinten durch ein kleines Loch sichtbar herausschaut. Hierdurch wird lediglich angezeigt, dass der Schlagbolzen gespannt ist.  Das bedeutet aber nicht, dass sich zugleich eine Patrone im Patronenlager befindet, aber ein Indiz dafür sein könnte. Bei dem Nachbau hat man darauf verzichtet.

 

Reck, Modell P6

Mit dem Modell P6 kam eine Pistole auf den Markt, die doch etwas größer war als das Vorbild. Weitere weitgehend baugleiche Modelle waren die P800 und P6s als Signalpistolen und P10 als Startversion. Diese Pistolen wurden in den Kalibern 8 mm K eingerichtet. Eine weitere Ausführung kam mit dem Kal. .315 K auf den Markt. Auch das Modell P8 im Kaliber 6,35 mm Browning  soll nicht unerwähnt bleiben.

 

Bild 1.21, Modell P6, Kal. 8 mm K                                                                                                                  Bild 1.22, gesicherter Zustand

Bild 1.23, Blick zur Mündung                                                                                                                         Bild 1.24, gesicherter Zustand

 

Der Vergleich

Hier zuerst ein Vergleich des Äußeren von beiden Seiten.

Bild 1.31                                                                                                                                                             Bild 1.32

 

Die Größe

Sie ist nicht entscheidend. Sieht man doch bei näherem Blick, dass es die Form und Mechanik ist, auch wenn es keine 1 zu 1 Kopie ist. Das Modell P6 sollte auch keine Kopie sein sondern augenscheinlich eine auf das Modell 9 basierende Pistole mit den eigenen Vorstellungen des Konstrukteurs und seinen Innovationen die letztendlich einige Unterschiede ausmachen und zugleich Denkanstöße für andere Konstrukteure waren, was sich mit Sicherheit auch vom Anfang bis heute nicht nur in der Waffentechnik gehalten hat. So sieht man veränderte Merkmale bei der Sicherung, dem Unterbrecher, dem Auszieher, dem Ausstoßer und der Verschlussmechanik. Nicht zuletzt versuchen viele Konstrukteure eine Waffe zu schaffen, die wenige Bauteile bei hoher Funktionalität aufweist und somit einfach und günstig herzustellen ist.

 

Die Bauteile

Bei den Bauteilen gibt es rein äußerlich nur kleine Unterschiede, was das Vorbild vom Nachbau unterscheidet. Die größten Unterschiede liegen im Inneren, so z.B. der Schlagbolzen der bei dem Modell 9 einen eingelöteten Stift aufweist. Dieser Stift ist im gespannten Zustand nach hinten zu sehen um entsprechend aufzuzeigen, dass die Pistole gespannt ist und womöglich auch fertig geladen sein könnte.

Bild 1.41                                                                                                                                                             Bild 1.42

 

Die Sicherung

Bei beiden Pistolen ist jeweils nur eine Sicherung vorhanden die manuell zu bedienen wäre. Bei der Reck P6 ist diese als kleiner Hebel auf der linken Seite, zwischen Abzug und Griffschale drehbar gelagert und sperrt lediglich den Abzug. Bei der Walther 9 befindet sie sich auf der linken hinteren Seite und ist über eine Stange nach vorne vor die Griffschale geführt. Sie wirkt ebenfalls auf den Abzug.

 

Eine weitere Sicherung ist die sogenannte Unterbrechersicherung die aber in jeder Pistole  vorhanden ist. Diese sorgt dafür, dass nach jedem Schuss der Schlagbolzen gespannt werden kann und in hinterer Position gehalten wird. Bei dem Modell 9 befindet sich die Mechanik auf der rechten Seite.

Hier als Beispiel der Funktionsweise das Modell P6.

 

Modell P6

Der Abzug wird gedrückt und betätigt mittels der Schubstange den Auslösehebel, der die Rastkurve nach unten drückt und dadurch den Schlagbolzen freigibt. Auf der linken Innenseite befindet sich eine Vertiefung Im Verschluss. Und in diesem Falle ist eine Erhöhung auf der Schubstange angebracht, die dann im Ruhezustand in dieser Vertiefung liegt. Durch den Repetiervorgang, Verschluss zurückziehen und loslassen oder der Schussabgabe, wird nun die Schubstange bei gedrücktem Abzug durch diese Erhöhung aus der zuvor genannten Vertiefung im Verschluss nach unten gezwungen und klinkt sie dadurch vom Auslösehebel aus, damit die Rastkurve durch den Federdruck wieder nach oben kommt und somit den Schlagbolzen in hinterer Stellung hält. Danach muss der Abzug gelöst werden, damit die Schubstange wieder ihre ursprüngliche Position einnimmt. Der Abzug kann nun wieder gedrückt werden und der Vorgang wird wiederholt.

Wäre nun diese Unterbrechung nicht vorhanden, so wäre die Funktion nicht gegeben und Störungen vorprogrammiert, im besten Falle wäre eine zweite automatische Schussabgabe möglich, eine Maschinenpistole erhält man dadurch aber nicht.

 

Neuere Modelle ab den Jahren 1973 / 1974 besitzen eine Schlagbolzensicherung die verhindert, dass der Schlagbolzen auslöst wenn der Verschluss abgehoben wird.

Siehe Schreckschusswaffen mit PTB

 

Die Verschlüsse

Die Größe und Form lässt kaum eine Verwandtschaft erkennen, sie ist aber auf jeden Fall gegeben und die Funktionsweise ist identisch. Die jeweilige Vertiefung in den Verschlüssen für die Erhöhung auf der Schubstange die den Unterbrecher bzw. die Unterbrechersicherung darstellt, ist doch etwas schwierig zu erkennen.

 

Bild 1.51, rechte Seite                                                                                                                                      Bild 1.52, linke Seite mit Beschriftung

Bild 1.53                                                                                                                                                            Bild 1.54

 

Die Griffstücke

Das Modell 9 ist massiv gearbeitet, das Modell P6 hat auf beiden Seiten Aussparungen erhalten, das spart Material und Gewicht aber  die Festigkeit ist dennoch gegeben. Die Schubstange und ihre Technik ist hier auf der linken Seite verbaut. Interessant ist die Lösemechanik für die Verschlüsse der Pistolen, das Modell 9 hat auf der Rückseite einen kleinen Hebel, der nach oben gedrückt das Gegenlager entriegelt und öffnet. Die P6 hat auf der linken hinteren Seite einen Knopf erhalten, der auf Druck entsprechend das Gegenlager entriegelt und öffnet. Beide Gegenlager stehen unter Federdruck.

 

Ich möchte erwähnen, dass gleiche Bauteile teilweise in den verschieden Firmen unterschiedlich benannt wurden.

Bild 1.61, rechts                                                                                       Bild 1.62, links                                                                                         Bild 1.63, oben

 

Die Magazine

Auch hier sieht man den Unterschied der in der Größe liegt. Zudem haben beide Magazine einen unterschiedlichen Zuführungswinkel in das Patronenlager.

Bild 1.71, rechts                                                                                                                                               Bild 1.72, links

  

Die Munition

Bei der 6,35 mm Browning handelt es sich um eine Halbrandpatrone, dadurch ergibt sich einen besseren Auszug aus dem Patronenlager. Diese Patrone wurde sogar für Revolver eingerichtet, was sich aber nicht lange hielt. Bei der Patrone 8 mm K handelt es sich um eine randlose Patrone die heute noch für den inländischen und ausländischen Markt hergestellt wird, obwohl für den deutschen Markt keine SRS-Waffen als Neuware mehr im Kaliber 8 mm K vertrieben werden dürfen. Was aber den Altbestand aus privater Hand nicht berührt. Diese Munition ist heute mit einer Kunststoffkapsel mit Sollrissstelle versehen, davor gab es Verschlüsse als Verdämmungsmittel aus einer Art Styropor, Pappe oder Wachs.

 

Näheres unter SRS-Munition, 8 mm Knall.

 

Technische Daten:

 

Pistolen:                    Walther, Modell 9               Reck, Modell P6

System:                         Rückstoßlader *)               Rückstoßlader *)

Patronenzahl:                                6 Stück                              7 Stück

Lauflänge:                                      51 mm                               57 mm

Züge:                                              6 Züge                                         -

Drall:                                   rechtsdrehend                                        -

Abzug:                                  Single Action                     Single Action

Visier:                                    Rinne / Korn                    Kimme / Korn

Sicherung:                        Hebelsicherung                 Hebelsicherung

Finish:                                            brüniert                              brüniert

Griffschalen:                            Hartgummi                          Kunststoff

Kaliber:                       6,35 mm Browning                              8 mm K

metrisch:                          6,35 x 15,5 mm                         8 x 20 mm

Länge:                                          100 mm                             115 mm

Höhe:                                             70 mm                               90 mm

Breite:                                            20 mm                               20 mm

Gewicht:                                 259 Gramm                       371 Gramm

(mit leerem Magazin)

 

*) mit Feder- Masseverschluss und Schlagbolzenschloss